Bis vor Kurzem war „AI-Sichtbarkeit" eine Metrik, die du raten musstest. Google fängt gerade an, dir die echten Zahlen zu geben.
Ich tracke AI-Sichtbarkeit für mehrere Kunden, also muss ich ehrlich sein: Jede Messung bisher war ein Proxy. Du definierst ein Set an Prompts, jagst sie gegen ChatGPT & Co. und prüfst, ob du erwähnt oder zitiert wirst. Das ist ehrlich nützlich – du siehst, wer für die Themen auftaucht, die dir wichtig sind. Aber es beantwortet eine andere Frage. Es sagt dir, wer für die Prompts sichtbar ist, die du ausgewählt hast – nicht, ob du tatsächlich für die Fragen sichtbar bist, die deine Kunden stellen.
Genau dieses fehlende Stück liefern Google und Bing jetzt.
Was Google angekündigt hat
Am 3. Juni 2026 hat Google in der Search Console einen eigenen Generative-AI-Performance-Report vorgestellt – mit getrennten Reports für Search und Discover.
Echte Impressionen aus echten Suchanfragen: wie oft deine Seite in AI Overviews und im AI Mode auftaucht, welche Seiten, in welchen Ländern, über die Zeit getrennt.

Zwei Dinge, bevor du die Search Console aufmachst:
- Rollout läuft schrittweise – erst eine kleine Gruppe an Sites, beginnend in UK. Du siehst es wahrscheinlich noch nicht. Voraussetzung ist außerdem, dass deine Seite genug AI-Impressionen bekommt und nicht aus Googles AI-Features ausgeschlossen ist.
- Nur Impressionen, keine Klicks (vorerst). Kein CTR, kein Traffic – heute zeigt der Report reine Sichtbarkeit.
Segmentieren kannst du nach Seiten, Ländern, Geräten und Datum (Pacific Time, die jüngsten Tageswerte können noch vorläufig sein).
Nebenbei: Google hat im selben Zug einen Opt-out-Toggle eingeführt. Wer ihn zieht, taucht nicht mehr in AI-Features auf – bekommt von dort also auch keine Impressionen. Für die meisten der falsche Hebel, aber gut zu wissen, dass es ihn gibt.
Für Bing ist das schon live
Was bei Google gerade erst startet, gibt es bei Bing Webmaster Tools schon seit dem 10. Februar 2026: AI Performance zeigt, wie oft deine Seiten in Microsoft Copilot und Bings AI-Antworten zitiert werden.

Und – das ist der unterschätzte Teil – inklusive der Grounding Queries: die Suchphrasen, die die AI tatsächlich benutzt hat, um deinen Content zu finden und zu zitieren. Konkret bekommst du dort:
- Total Citations – wie oft dein Content insgesamt als Quelle in AI-Antworten auftaucht
- Average Cited Pages – wie viele einzelne Seiten pro Tag zitiert werden
- Grounding Queries – die Phrasen, mit denen die AI deinen Content gezogen hat
- Citation Activity pro URL – welche Seiten zitiert werden, mit Trend über die Zeit
Ein Caveat: Die Daten sind ein Sample der gesamten Citation-Aktivität, keine vollständige Zählung. Trotzdem ist es das Erste, was näher an „echtem Nutzerverhalten" ist als alles davor. Unterschätzt für B2B – weil Käufer dort den ganzen Tag in Microsoft-Tools sitzen.
Und das ist nicht theoretisch: Bei einem Kunden haben wir die AI Performance laut Bing verzehnfacht – heute bekommt er ungefähr gleich viele Leads über Bing wie über Google. Im B2B ist Bing eben nach wie vor relevant.
So gehst du es an
Kein neues Tool, kein Setup-Marathon. Die Reihenfolge:
- Bing zuerst aktivieren. Webmaster Tools öffnen → AI Performance. Das ist heute schon da und liefert dir mit den Grounding Queries den interessantesten Datenpunkt: die echten Fragen, über die du zitiert wirst.
- In der Search Console nachsehen, ob der AI-Report schon ausgerollt ist. Wahrscheinlich noch nicht – dann sicherstellen, dass die Property verifiziert ist und du nicht aus AI-Features ausgeschlossen bist, damit du Daten sammelst, sobald es live geht.
- Grounding Queries gegen deine Prompt-Liste halten. Hier wird es spannend: Vergleiche die Fragen, für die du tatsächlich zitiert wirst, mit den Prompts, die du dir für dein GEO-Tracking ausgedacht hast. Die Lücke dazwischen ist deine To-do-Liste.
- Die zitierten Seiten priorisieren. Welche URLs zieht die AI? Genau die ausbauen, sauber strukturieren, aktuell halten – das ist dein bestehender Hebel, mit Daten belegt statt geraten.
Warum das mehr ist als eine neue Spalte im Dashboard
Zum ersten Mal kannst du an deiner AI-Sichtbarkeit arbeiten und sie gegen echtes Nutzerverhalten verifizieren – nicht gegen ein selbst gewähltes Sample.
Prompt-basiertes Tracking bleibt sinnvoll: Es ist der einzige Weg, jetzt in ChatGPT, Claude & Co. reinzuschauen, für die es noch keine Search-Console-Entsprechung gibt. Aber ab jetzt hast du daneben einen Ground-Truth-Layer für Google und Microsoft. Proxy plus Realität, statt nur Proxy.
Warum eigenes Tracking trotzdem unverzichtbar bleibt
Versteh mich nicht falsch: Search Console und Bing sind ein Sprung nach vorn. Aber sie haben blinde Flecken, die für Growth entscheidend sind.
- Sie zeigen nur Google und Microsoft. ChatGPT, Claude, Perplexity & Co. tauchen in keinem der beiden Reports auf – und genau dort entscheidet sich ein wachsender Teil der Kaufrecherche.
- Sie zeigen, dass du zitiert wirst – nicht, wie. Wurdest du als Empfehlung genannt oder als abschreckendes Beispiel? In welchem Kontext, neben welchen Wettbewerbern, mit welchem Sentiment? Eine Impression sagt dazu nichts.
- Sie zeigen keinen Wettbewerb. Du siehst deine eigenen Zahlen, aber nicht, wer dir die Citations wegnimmt und für welche Themen.
Genau deshalb haben wir bei Fento AI ein eigenes Tracking-Tool gebaut. Die existierenden Lösungen haben uns nicht gereicht, um Growth über AI-Sichtbarkeit wirklich zu hacken – sie messen Erwähnungen, aber sie schließen nicht den Kreis zu „was tun wir morgen anders". Wir tracken über alle relevanten AI-Engines hinweg, brechen es auf Sentiment, Kontext und Wettbewerber herunter und führen das mit den echten Zahlen aus Search Console und Bing zusammen. Proxy und Ground Truth, an einem Ort, übersetzt in konkrete Maßnahmen.
Bleibt die Frage, ob – und wann – etwas Vergleichbares für ChatGPT, Claude & Co. kommt.
Quellen: Google: Generative AI performance reports in Search Console · Google Search Console Hilfe · Bing: AI Performance in Bing Webmaster Tools